Schamanentum

Schamanen gibt es, seit es Menschen gibt. Aber was ist ein Schamane? Er ist ein „von den Geistern berufener“. Das bedeutet, Geistwesen der Anderswelt haben ihn dazu bestimmt, zwischen ihrer und der Welt der Menschen zu vermitteln. Diese Berufung kann von Geburt an bestehen, oder aber der Ruf erfolgt erst im Laufe des Lebens. Dann beginnt die Zeit der Ausbildung. Denn alleine die Berufung befähigt den Schamanen meist noch nicht, schamanisch zu wirken. Das Handwerk erlernt er in den schamanischen Kulturen von einem bereits praktizierenden Schamanen.

Und da sind wir schon bei einem Defizit unserer heutigen, westlichen Gesellschaft. Menschen, die die Berufung zum Schamanen haben, werden nicht erkannt und entsprechend ausgebildet. Sie müssen auf ihrem Weg selber irgendwann herausfinden, was los ist. Es gibt verschiedene Anzeichen, die auf eine Berufung hindeuten können (nicht müssen) und die meisten bringen Schwierigkeiten mit sich.

Da das in unserer jetzigen Kultur hier nun einmal so ist, sind die Auswirkungen sehr unterschiedlich. Es gibt berufene Schamanen, die, nicht erkannt, ständig mit Schwierigkeiten kämpfen, es gibt Menschen, die keine Schamanen sind, aber Techniken gelernt haben und sich dann Schamanen nennen, es gibt auch berufene Menschen, die nicht so arbeiten, wie in den schamanischen Kulturen. Deshalb ist es schwierig, da eine Grenze zu ziehen.Ein Schamane ist nicht automatisch ein Heiler, es gibt sogar welche, die kaum mit Menschen arbeiten, sondern eher mit Ortsgeistern oder Naturwesen.

Die Kultur, die im europäischen Raum vor der Christianisierung anzutreffen war, war durchaus schamanisch. Da gab es im Norden die Spakona, die Seherin, von der noch in Sagen berichtet wird, es gab immer Kräuterkundige, die ihr Wissen ja nicht aus Büchern und Reagenzgläsern ziehen konnten. Es gab magisch begabte Menschen, es gab Orakelkundige…. Und all diese Fähigkeiten werden auch heute noch unter den Menschen verteilt!

Im Bereich Russland und Mongolei ist das Schamanentum bis heute lebendig. Dort gibt es die Unterteilung von schwarzen und weißen Schamanen. Dies ist keine Wertung, keine Einteilung in gut und böse. Es ist nur eine Bezeichnung. Während die schwarzen Schamanen unter anderem Feinde abwehren und Krankheitsgeister einsammeln und hegen, sind die weißen Schamanen als Heiler tätig und bestrebt, Harmonien herzustellen. Dort arbeitet man viel mit Rahmentrommeln und Maultrommeln und das typische Gewand verdeckt das Gesicht.

In Südamerika gibt es wiederum eine völlig andere, schamanische Tradition. Da das Klima im Urwald sehr feucht ist, machen Trommeln als Instrumente wenig Sinn. Dort sind es Rasseln, die den Schamanen begleiten. Außerdem spielen die unzähligen Pflanzen dieser Region die Hauptrolle beim Wirken des Schamanen. Genauer gesagt, der Geist der Pflanzen. Diese Pflanzengeister werden mit speziellen Gesängen geweckt. Der angehende Schamane lernt also nicht nur die Wirkung und Anwendung aller relevanten Pflanzen seiner Umgebung, sondern auch noch jeden passenden Gesang!Das sind nur wenige Beispiele, denn in fast jeder Region der Erde gibt es schamanische Traditionen. Auch wenn diese manchmal verschüttet sind.

Auch die Geister, mit denen gearbeitet wird, sind unterschiedlich. Sie gehören dorthin, in die entsprechende Landschaft. Und so ist auch der Schamane immer ein fest verwurzelter Teil seiner Region.

Allerdings haben wir seit der Jahrtausendwende eine sehr starke Energieveränderung. Diese bewirkt auch, dass nicht nur die Blutlinien aktiv sind, sondern auch Vorleben und seelische Verbundenheit. Deswegen kommt es immer öfter vor, dass Menschen ein Verbindung zu einer schamanischen Tradition aus einer völlig anderen Region bekommen, als ihrer Heimat. Was das bedeutet und wie authentisch man diese Tradition dann lebt, dass muss dann jeder für sich überprüfen.

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich Schamanen keineswegs für besser Menschen halte, so wie viele das glauben (oder auch einige Schamanen von sich selbst). Die Berufung durch die Geister hat nicht das geringste mit dem eigenen Charakter und den eigenen Ängsten und dem Umgang mit dem Leben zu tun! Und auch eine Berufung, selbst mit schamanischer Ausbildung, erhebt niemanden über einen anderen Menschen! Es ist eine von vielen Fähigkeiten, die der Mensch haben kann. Und JEDE dieser Fähigkeiten ist unabdingbar in einer Gesellschaft.